Muss Politik laut sein?
Ich glaube: nein.
Politik muss nicht immer lauter, schriller und aggressiver werden, damit sie gehört wird. Für mich beginnt Politik mit etwas anderem: zuhören. Nachfragen. Verstehen, wie der Alltag der Menschen tatsächlich aussieht. Und daraus Entscheidungen machen, die diesen Alltag besser machen.
Ich bin in Berlin geboren und für die Liebe nach Sachsen-Anhalt gekommen. Was zunächst ein neuer Lebensmittelpunkt war, ist längst Heimat geworden. Hier habe ich meine Kinder großgezogen, hier arbeite ich, hier lebe ich.
Tangermünde und unsere Region sind für mich nicht irgendein Wahlkreis auf einer Karte.
Ich bin gekommen, um zu bleiben.
Wenn über den ländlichen Raum gesprochen wird, klingt es manchmal so, als gehe es um eine besondere Gruppe von Menschen, um die sich Politik zusätzlich kümmern müsse.
Dabei reden wir über unseren ganz normalen Alltag.
Über den Weg zur Arbeit.
Über den Termin beim Arzt.
Über die Schule unserer Kinder.
Über sichere Arbeit.
Und darüber, ob man auch ohne eigenes Auto am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
Das sind keine Randthemen.
Es geht um die Frage, ob man hier gut leben kann.
Ich will nicht über die Dörfer reden. Ich will mit ihnen reden.
Im Wahlkampf bin ich viel unterwegs. Auf Marktplätzen, bei Veranstaltungen und an Haustüren. Und ich möchte, dass das auch danach so bleibt.
Denn die besten Gespräche finden nicht immer in Sitzungssälen statt.
Manchmal entstehen sie beim Einkaufen, auf dem Fußballplatz, vor der Haustür oder einfach, weil mich jemand auf der Straße anspricht.
Politik muss erreichbar sein.
Ich möchte nicht erst dann erfahren, was in einem Dorf nicht funktioniert, wenn es irgendwo in einer Statistik auftaucht. Wer Entscheidungen für unsere Region trifft, muss wissen, was sie für die Menschen vor Ort bedeuten.
Deshalb will ich zuhören.
Aber Zuhören allein reicht nicht.
Aus Gesprächen müssen politische Entscheidungen werden.
Ein Bus am Tag ist keine Teilhabe.
Wer in unserer Region ein Auto hat, fährt häufig weite Strecken. Zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen oder zu anderen Terminen.
Solange man sich das Auto leisten kann.
Wer kein Auto hat oder sich die Kosten nicht mehr leisten kann, muss sehr genau planen: Wann fährt ein Bus? Bekomme ich rechtzeitig einen Rufbus? Wie komme ich wieder zurück?
Ein kurzfristiger Arzttermin darf nicht daran scheitern, dass ein Rufbus im ungünstigsten Fall schon am Vortag bestellt werden muss.
Wir brauchen deshalb einen öffentlichen Nahverkehr, der sich am Leben der Menschen orientiert – und nicht umgekehrt.
Bus und Rufbus müssen so fahren, dass Arbeit, Arzttermine und Alltag auch ohne eigenes Auto möglich sind.
Mobilität ist gerade im ländlichen Raum keine Komfortfrage.
Sie ist Daseinsvorsorge.
Ein Arzttermin darf nicht zur Tagesreise werden.
Die medizinische Versorgung gehört zu den Problemen, die mir in Gesprächen immer wieder begegnen.
Ärztinnen und Ärzte gehen in den Ruhestand. Praxen nehmen teilweise keine neuen Patientinnen und Patienten mehr auf. Für Facharzttermine entstehen lange Wartezeiten und lange Wege.
Wer ein Auto hat, fährt.
Wer keines hat, hat ein zusätzliches Problem.
Deshalb reicht es nicht, nur über den Ärztemangel zu reden. Wir brauchen verschiedene Lösungen gleichzeitig.
Kommunale Medizinische Versorgungszentren können Versorgung bündeln und dauerhaft vor Ort sichern.
Telemedizin kann Wege vermeiden und medizinische Angebote ergänzen.
Gleichzeitig müssen wir Bedingungen schaffen, unter denen junge Ärztinnen und Ärzte gerne in unserer Region arbeiten und bleiben.
Und vielleicht lohnt sich auch ein Blick auf eine Idee, die viele Menschen auf dem Land noch kennen: Schwester Agnes.
Die damalige Gemeindeschwester lässt sich nicht eins zu eins in unsere Zeit übertragen. Aber die Grundidee bleibt interessant: medizinische Fachkräfte, die zu den Menschen kommen, Hausbesuche übernehmen, Werte kontrollieren, Versorgung koordinieren und eng mit Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten.
Mit moderner Technik und Telemedizin könnte daraus eine zeitgemäße Gemeindeschwester werden.
Wir müssen nicht jede Lösung neu erfinden. Manchmal können wir eine gute Idee nehmen und sie für die Gegenwart weiterentwickeln.
Arbeit muss zum Leben reichen und Sicherheit geben.
Ich gehe selbst arbeiten und mache meinen Wahlkampf neben meinem Beruf und meinem Familienleben.
Vielleicht ist mir das Thema deshalb besonders wichtig.
Arbeit ist mehr als eine Zahl auf der Gehaltsabrechnung.
Menschen müssen ihre Miete bezahlen, ihre Familie versorgen und am Monatsende noch leben können.
Jede Arbeit verdient Respekt. Und jede Arbeit muss fair bezahlt werden.
Dazu gehören faire Löhne, verlässliche Arbeitsbedingungen und mehr Tarifbindung.
Denn gute Arbeit bedeutet nicht nur Einkommen.
Arbeit muss zum Leben reichen und Sicherheit geben.
Eine Dorfschule ist mehr als ein Schulgebäude.
Wenn über kleine Schulen gesprochen wird, geht es häufig zuerst um Zahlen: Wie viele Schülerinnen und Schüler gibt es? Wie groß muss eine Schule mindestens sein? Was kostet ein Standort?
Ich finde, wir müssen auch die andere Frage stellen:
Was kostet es ein Dorf, wenn seine Schule verschwindet?
Eine Schule bedeutet kurze Wege für Kinder. Sie bedeutet Leben im Ort. Und sie kann ein Grund dafür sein, dass eine junge Familie bleibt – oder sich überhaupt dafür entscheidet, in ein Dorf zu ziehen.
Wenn wir wollen, dass unsere Dörfer Zukunft haben, dürfen wir ihre Infrastruktur nicht Stück für Stück abbauen und uns anschließend darüber wundern, dass Menschen wegziehen.
Gute Bildung darf keine Frage des Wohnorts sein.
Dorfschulen zu erhalten ist deshalb nicht nur Bildungspolitik.
Es ist auch Politik für lebendige Dörfer.
Barrieren abbauen.
Teilhabe ist für mich kein einzelnes politisches Thema. Sie zieht sich durch fast alles.
Ein Bus, der nicht fährt, kann eine Barriere sein.
Eine Arztpraxis, die ohne Auto kaum erreichbar ist, kann eine Barriere sein.
Ein Gebäude ohne barrierefreien Zugang ebenso wie fehlende Unterstützung in Schule und Ausbildung.
Wir sollten nicht darüber diskutieren, wie Menschen irgendwie mit solchen Hindernissen zurechtkommen.
Wir sollten sie abbauen.
Barrieren abbauen – damit alle ihre Stärken einbringen und überall dabei sein können.
Denn eine Gesellschaft gewinnt nichts dadurch, Menschen auszuschließen. Sie gewinnt, wenn möglichst viele ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen einbringen können.
Politik endet für mich nicht am Wahltag.
In ihrem Artikel über meinen Wahlkampf beschreibt DIE ZEIT auch, wie viel von diesem Wahlkampf zwischen Beruf, Familie und normalem Alltag passiert.
Das stimmt.
Und wahrscheinlich ist genau das ein Teil dessen, warum ich kandidiere.
Politik ist für mich nicht nur das, was in Anträgen und Programmen steht. Ich kenne auch das Rechnen an der Tankstelle, lange Wege, volle Terminkalender und die Frage, wie man Arbeit und Familie unter einen Hut bekommt.
Ich möchte niemandem erzählen, Politik hätte für jedes Problem eine einfache Lösung.
Aber ich erwarte von der Politik, dass sie Probleme nicht nur verwaltet.
Sie muss zuhören, entscheiden und Dinge verändern.
Und dabei möchte ich ansprechbar bleiben.
Nicht nur auf Veranstaltungen. Nicht nur in den Wochen vor einer Wahl.
Wenn wir uns beim Einkaufen begegnen, auf dem Fußballplatz, auf einem Dorffest oder irgendwo unterwegs: Sprecht mich an.
Ich bin und bleibe vor Ort.
Denn am Ende zählt für mich nicht, wer am lautesten redet.
Sondern ob Politik im Leben der Menschen tatsächlich etwas verbessert.
