Meine Fragen an die Deutsche Bahn: Wie bleibt Stendal während der Bahnsanierung angebunden?
Die geplante Bahnsanierung zwischen Hannover und Berlin wird für Stendal und die Altmark erhebliche Auswirkungen haben. Viele Fragen zur Fernverkehrsanbindung, zum Schienenersatzverkehr und zu den Verbindungen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 sind aus meiner Sicht noch offen. Deshalb habe ich mich mit einem ausführlichen Fragenkatalog an die Deutsche Bahn gewandt.
Petition wächst weiter – Altmark Zeitung berichtet
Im heute erschienenen Artikel der Altmark Zeitung wird noch ein Stand von 1.287 Unterschriften genannt.
Aktueller Stand
Inzwischen sind es bereits 1.472 Unterschriften. Damit fehlen nur noch 28 Unterschriften bis zum nächsten Sammelziel von 1.500.
Eine konkrete und verbindliche Antwort der Deutschen Bahn auf die oben genannten Fragen liegt mir bislang noch nicht vor. Sobald eine Antwort eingeht, werde ich sie hier transparent ergänzen.
Update vom 22. September 2026:
Auch beim weiteren Bauablauf gibt es noch offene Fragen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) informiert inzwischen darüber, dass die ursprünglich vorgesehenen Bauphasen angepasst und zeitlich zusammengeführt werden sollen. Für Fahrgäste könnte das einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen bedeuten.
Nach Angaben des VBB hat die DB InfraGO bislang noch keine konkreten Informationen zu den Auswirkungen dieser Änderungen vorgelegt. Auch das dazugehörige Sperr- und Ersatzverkehrskonzept für 2027 befindet sich noch in Abstimmung.
Das bestätigt aus meiner Sicht noch einmal, warum eine schnelle und verbindliche Antwort auf die offenen Fragen zur Anbindung Stendals notwendig ist.
Quelle: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB)
Petition unterstützen: https://www.openpetition.de/gphfw
Mein Schreiben an die Deutsche Bahn vom 20. September 2026
Damit nachvollziehbar ist, welche Fragen ich der Deutschen Bahn konkret gestellt habe, veröffentliche ich hier den vollständigen Wortlaut meines Schreibens:
Betreff: 1.287 Unterschriften: Fernverkehrsanbindung Stendal während der Korridorsanierung – Bitte um verbindliche Antwort
Sehr geehrte Damen und Herren der DB InfraGO AG und der DB Fernverkehr AG,
inzwischen unterstützen 1.287 Menschen die von mir initiierte Petition „Stendal nicht abhängen – Fernverkehr für die Altmark auch während der Bahnsanierung sichern!“.
Unsere Forderung ist klar: Umleitungszüge des Fernverkehrs, die während der Bauzeit durch Stendal oder die Altmark geführt werden und bei denen ein Halt betrieblich möglich ist, sollen auch in Stendal halten. Zugleich muss während der gesamten Bauzeit eine verlässliche und zumutbare Verbindung der Altmark nach Berlin, Wolfsburg und Hannover gewährleistet werden.
Am 2. Oktober beginnt die erste große Sperrphase auf der Strecke Lehrte–Berlin. Der gesamte Bau- und Einschränkungszeitraum reicht nach den aktuellen Angaben bis zum 11. Dezember 2027.
DB InfraGO hat am 9. September mitgeteilt, dass die Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn nicht wie geplant bis Ende 2026 abgeschlossen werden kann und die Strecke voraussichtlich bis Dezember 2027 gesperrt bleiben muss. Das Verkehrskonzept ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2026 wird deshalb neu abgestimmt. Auch mögliche Fernverkehrshalte in Stendal und Wolfsburg werden weiterhin geprüft.
Gleichzeitig werfen die derzeit abrufbaren Informationen für die Zeit ab Mitte Dezember 2026 Fragen auf. Auf der aktuellen DB-Informationsseite wird für den Zeitraum vom 13. Dezember 2026 bis 15. Oktober 2027 weiterhin eine Ost-West-Schienenanbindung Stendals und Wolfsburgs beschrieben. Diese Darstellung ist mit der neueren Mitteilung zur nicht wie geplant verfügbaren Lehrter Stammbahn aus unserer Sicht nicht eindeutig in Einklang zu bringen.
Auch auf der Berlin-Brandenburger Seite der Verbindung sind für 2027 wesentliche Punkte noch offen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg weist aktuell darauf hin, dass die Auswirkungen der geänderten Bauplanung auf das Angebot 2027 sowie das dazugehörige Sperr- und Ersatzverkehrskonzept noch nicht abschließend benannt werden können. Für Stendal und die Altmark brauchen wir deshalb von Ihnen eine klare und verbindliche Darstellung der tatsächlich vorgesehenen Verbindungen.
Richtung Berlin erleben die Menschen unserer Region bereits heute die Folgen von Schienenersatzverkehr. Die RB34 zwischen Stendal und Rathenow fährt seit Ende Mai 2025 im Ersatzverkehr und wird auch im gesamten Jahr 2026 durch Busse ersetzt. Ab dem 2. Oktober entfällt zusätzlich der RE4 zwischen Stendal und Berlin-Spandau auf der Schiene.
Als Ersatz für die wegfallende schnelle Verbindung Richtung Berlin sehen Sie unter anderem den Expressbus X1 von Stendal nach Genthin mit Anschluss an den RE1 sowie die Busverbindung X4 über Rathenow nach Nauen vor. Auch über Rathenow bleibt die Weiterreise Richtung Berliner Raum für viele Ziele damit eine Kombination aus Ersatzbus und weiteren Umstiegen.
Auch die Verbindung über Genthin ist keine gleichwertige Alternative zu einer direkten Fernverkehrsanbindung. Während der ersten Sperrphase fällt der RE1 zwischen Berlin-Charlottenburg und Berlin-Ostbahnhof aus. Je nach Reiseziel kommen damit weitere Umstiege hinzu.
Richtung Wolfsburg kennen die Menschen unserer Region die Folgen eines langfristigen Schienenersatzverkehrs ebenfalls bereits. Seit dem 14. Dezember 2025 fahren auf der RB35 zwischen Stendal und Wolfsburg keine Züge. Für alle, die auf diese Regionalbahn angewiesen sind, bedeutet das seit Monaten Bus statt Schiene und erheblich längere Reisezeiten.
Ab dem 2. Oktober entfällt zusätzlich die heutige schnelle direkte Fernverkehrsverbindung zwischen Stendal und Wolfsburg. Als Ersatz für die entfallenden ICE-Halte sehen Sie den zweistündlichen Expressbus X2 vor. Dieser benötigt nach Ihren Angaben rund 1 Stunde und 35 Minuten und soll mit einem Gelenkbus ohne Toilette gefahren werden. Der reguläre RB35-Ersatzverkehr benötigt sogar rund 2 Stunden und 5 Minuten.
Damit gibt es zwischen Stendal und Wolfsburg während dieser ersten Sperrphase keine direkte Verbindung mehr auf der Schiene – weder im Regional- noch im Fernverkehr.
Sie bezeichnen X1 und X2 ausdrücklich als Ersatzangebote für die wegfallenden schnellen Verbindungen. Genau darin liegt aus unserer Sicht das Problem: Lange Busfahrten und zusätzliche Umstiege können die Funktion einer schnellen Fernverkehrsanbindung für eine ganze Region nicht gleichwertig übernehmen.
Einzelne IC-Züge der Linie 57 bleiben in Stendal bestehen. Diese verkehren jedoch auf der Achse Rostock–Schwerin–Wittenberge–Stendal–Leipzig. Für die von der Korridorsanierung besonders betroffenen Pendlerinnen und Pendler Richtung Berlin sowie Wolfsburg/Hannover ersetzen sie die wegfallende Ost-West-Verbindung nicht.
Wie wichtig gerade diese schnellen Verbindungen für die Region sind, zeigt das Johanniter-Krankenhaus Stendal. Nach Angaben des Oberarztes der Kardiologie, Udo Zacharzowsky, pendeln 88 Prozent der Chef-, Ober- und Fachärzte der Klinik für Kardiologie aus Berlin oder Wolfsburg nach Stendal. Er warnt davor, dass sich die täglichen Fahrzeiten während der Sperrung auf mehrere Stunden erhöhen können und dies mit Beruf, Familie und Privatleben kaum vereinbar wäre.
Das Krankenhaus selbst wirbt bei der Personalgewinnung ausdrücklich mit seiner schnellen IC/ICE-Erreichbarkeit: 40 Minuten bis Berlin-Spandau, 30 Minuten nach Wolfsburg und 65 Minuten nach Hannover. Die schnelle Bahnverbindung ist damit auch ein konkreter Standortfaktor für die Gewinnung und Bindung medizinischer Fachkräfte.
Auch vor Ort ist die Sorge deutlich. Landrat Patrick Puhlmann, Oberbürgermeister Bastian Sieler und das Johanniter-Krankenhaus haben gemeinsam eine verlässliche und schnelle Anbindung für Stendal gefordert.
Auch das Land Sachsen-Anhalt fordert von Ihnen eine schnelle und verlässliche Fernverkehrslösung für die Altmark. Verkehrsministerin Lydia Hüskens hat unter anderem eine regelmäßige schnelle Fernverkehrsverbindung auf der Achse Leipzig–Magdeburg–Stendal–Wittenberge gefordert und zugleich betont, dass die Altmark leistungsfähige Verbindungen nach Wolfsburg, Hannover und Berlin benötigt und umgeleiteter Fernverkehr auch den Menschen vor Ort zugutekommen muss.
Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie um konkrete Antworten:
1. Welche Umleitungszüge des Fernverkehrs werden während der einzelnen Bauphasen durch Stendal beziehungsweise die Altmark geführt, und bei welchen dieser Züge ist ein Halt in Stendal betrieblich möglich? Bis wann wird darüber verbindlich entschieden?
2. Welcher Verkehrs- und Fahrplanstand gilt ab dem 13. Dezember 2026 tatsächlich? Wie erklären sich die Unterschiede zwischen den aktuell abrufbaren Informationen und der Mitteilung von DB InfraGO vom 9. September zur nicht wie geplant verfügbaren Lehrter Stammbahn?
3. Welche direkten Schienen- und Fernverkehrsverbindungen erhält Stendal ab dem 13. Dezember 2026 konkret Richtung Berlin sowie Richtung Wolfsburg und Hannover? Halten die für die Ost-West-Relation vorgesehenen Fernverkehrszüge tatsächlich in Stendal oder fahren sie ohne Halt durch?
4. Welche direkten Schienen- und Fernverkehrsverbindungen sind für Stendal während der erneuten Vollsperrung von Mitte Oktober bis zum 11. Dezember 2027 vorgesehen? Trifft es zu, dass Stendal in diesem Zeitraum erneut auf Ersatzverkehr in der Ost-West-Relation angewiesen sein wird?
5. Falls ein Halt von Umleitungszügen in einzelnen Bauphasen betrieblich nicht möglich ist: Welche andere gleichwertige und verlässliche Lösung sehen Sie für die Verbindung der Altmark nach Berlin, Wolfsburg und Hannover vor?
6. Welche verbindlichen Fahrzeug-, Kapazitäts- und Qualitätsstandards gelten für die von Ihnen angekündigten Expressbusse X1 und X2 sowie die weiteren Ersatzverkehre rund um Stendal? Wer ist jeweils für deren Einhaltung verantwortlich?
7. Auf Ihrer aktuellen Informationsseite sind die Ersatzverkehre der RB34 und RB35 mit dem Hinweis gekennzeichnet, dass die eingesetzten Busse gegebenenfalls nicht den Standards der Korridorsanierung entsprechen. Welche konkreten Busverkehre betrifft dieser Hinweis, welche Standards können dabei unterschritten werden und gilt diese Einschränkung auch für den X2 Stendal–Wolfsburg?
8. Warum ist für die rund 1 Stunde und 35 Minuten lange Expressbusverbindung X2 Stendal–Wolfsburg ein Gelenkbus ohne Toilette vorgesehen?
9. Wie viele Reservefahrzeuge beziehungsweise welcher Fahrzeugpuffer wird für die Ersatzverkehre rund um Stendal vorgehalten? Sind diese Reservefahrzeuge hinsichtlich Kapazität, Barrierefreiheit und Ausstattung gleichwertig mit den planmäßig eingesetzten Fahrzeugen?
Uns ist bewusst, dass die Sanierung und Modernisierung der Strecke notwendig ist. Unsere Forderung richtet sich nicht gegen die Baumaßnahmen. Entscheidend ist, dass die Menschen in der Altmark während des gesamten Bau- und Einschränkungszeitraums verlässlich mobil bleiben.
Am 2. Oktober beginnt die erste Sperrphase. Gleichzeitig sind zentrale Fragen für die Zeit ab Mitte Dezember und für 2027 weiterhin offen. Für Pendlerinnen und Pendler, Familien, Unternehmen, medizinische Einrichtungen und andere Arbeitgeber geht es dabei um konkrete Planungssicherheit und zum Teil um langfristige Entscheidungen über Arbeitsplatz und Wohnort.
Ich bitte Sie deshalb um eine konkrete Antwort per E-Mail möglichst noch vor Beginn der ersten Sperrphase am 2. Oktober. Insbesondere bitte ich um eine verbindliche Aussage dazu, welche Möglichkeiten für Fernverkehrshalte in Stendal während der einzelnen Bauphasen geprüft werden und bis wann hierzu Entscheidungen fallen.
Gerne stehe ich auch für ein direktes Gespräch zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Denis Kreuzadler
Initiator der Petition
„Stendal nicht abhängen – Fernverkehr für die Altmark auch während der Bahnsanierung sichern!“
Mitglied des Stadtrates Tangermünde
Sachkundiger Einwohner im Kreistag Stendal
https://www.openpetition.de/gphfw
